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Urteil: Wasteland 2

am 07.10.2014

Wasteland 2 müsste normalerweise ein großartiges Spiel sein. Der Nachfolger eines genrebegründenden Spiels, ein seit Jahrzehnten tolles Serien-Setting in einer postapokalyptischen Welt, eine lange Entwicklungszeit, Crowdfunding-Millionen und eine Gaming-Legende als Chefentwickler. Ob es tatsächlich so ist?
Wasteland 2 Ranger (quelle: inxile)

Ich liebe Fallout 3 und New Vegas. Es sind grandiose Rollenspiele, fordernde Shooter und schwarzhumorige Atmosphäre-Giganten gleichermaßen. Leider sind die Vorgänger inklusive Wasteland völlig an mir vorbeigegangen. Aber ich mag rundenbasierte Taktikspiele und habe XCOM und Jagged Alliance gesuchtet. Deswegen ging Wasteland 2 bei mir mit hohen Erwartungen ins Rennen. Doch der Reihe nach.

Wasteland 2 Charaktererstellung (quelle: inxile)

Wasteland 2 als Rollenspiel

Betrachtet man Wasteland 2 als Rollenspiel, so darf man durchaus zufrieden sein. Die Charaktererstellung ist vielseitig und versetzt einen sofort in die richtige Spiellaune. In einer postapokalyptischen Welt ohne Fantasy-Zauber verbringt man gern einige Minuten damit, auszuloten, welche Fähigkeiten die vier Helden mitbringen sollen. Man braucht eine Scharfschützin, ganz klar. Aber auch einen starken Anführer, der Türen und Gesichter eintreten kann. Ein Doc ist auch nützlich und ein technisch versierter, dafür schwachbrüstiger Asiate. Außerdem noch… Moment, wir haben doch nur vier Charaktere. Mist. Nochmal. Und schon ist die erste Stunde Wasteland 2 Spielzeit um.

Auch im Spielverlauf entfaltet Wasteland 2 sein tolles RPG-Potential. Die Quests sind vielseitig, die Entscheidungen und Konsequenzen kreativ und durchdacht und auch die Geschichten der Orte, NPCs und Hauptmissionen sind so gelungen, wie ich es mir als Gamer nur wünschen kann. Lediglich die eigentlichen Helden bleiben etwas blass, was aber wohl auch damit zu tun hat, dass wir sie ja selbst kreiert und damit quasi für vorgefertigte Stories gesperrt haben. Dass man bei Wasteland 2 enorm viel lesen muss, stört mich als alten Knacker mit großer Bücherwand zuhause weniger. Schließlich hab ich Lesen ja mal gelernt und sowas soll man ja auch nicht verkümmern lassen.

Wasteland 2 Fertigkeiten (quelle: inxile)

Wasteland 2 als Taktikspiel

Betrachtet man Wasteland 2 als Taktikspiel, so wird man leider ein wenig enttäuscht. Die rundenbasierten Kämpfe sind an sich fordernd und schwierig, jedoch wenig komplex und vor allem sehr unzeitgemäß präsentiert. Die Grafik und Animationen sind sowieso kein Hingucker, doch die Gefechte werden davon leider nochmals abgewertet. Es fehlen einfach überzeugende Effekte und mir persönlich vor allem die sehr atmosphärischen Cutscenes, die ich bei XCOM Schlachten so liebgewonnen habe und die ja auch Fallout 3 und New Vegas aufwerteten. Immerhin versucht Wasteland 2 das durch übertriebene Brutalität zu kompensieren. Warum ein Raider nun aber in sechs Teile zerspringt, wenn ich ihn aus zehn Metern mit nem Karabiner treffe, verstehe ich auch nicht so recht.

Wasteland 2 Brutalität (quelle: inxile)

Über die mangelhafte Optik könnte man hinwegsehen, wenn der Taktikmodus ansonsten erste Sahne wäre. Ist er aber nicht. Die Helden können einfach von Anfang an dasselbe und gewinnen keine spielerischen Perks dazu. Sicherlich wird meine Scharfschützin mit jedem Fertigkeitspunkt in der entsprechenden Kategorie effektiver aus der Distanz, doch taktisch spielt das kaum eine Rolle. Wieder vermisse ich die sparsam dosierten, aber genau deswegen so komplexen Perks von XCOM und stelle mir vor, wie cool es wäre, wenn meine Scharfschützin in Wasteland 2 ab Level irgendwas für einen zweiten Schuss keine Aktionspunkte mehr verbrauchen würde, sofern der erste Schuss einen Gegner gekillt hat.

Wasteland 2 Taktik (quelle: inxile)

Wasteland 2 – Was ist sonst noch gut und schlecht

Ich bin ja sonst kein Freund von plumpen Plus-Minus-Listen wie mein dicker Freund Skrei bei Destiny. Normalerweise fühlt ein echter Gamer ein Spiel – oder eben nicht. Da ich aber bei Wasteland 2 bislang genauso wenig fühle wie Skrei, wenn er einen Salat sieht, kann ich dieses Mal tatsächlich nüchtern aufzählen. So finde ich zum Beispiel das fummelige Inventar doof und vor allem hässlich. Das sah ja in Jagged Alliance 2 schon hübscher aus. Ich mag es sowieso nicht, alle zehn Minuten Gegenstände zu analysieren, zu modifizieren und zu verschieben, aber das ist Geschmackssache. Wasteland 2 zeigt uns zwar durch Munitionsknappheit den Wert von Loot, zwingt uns aber auch, jeden Scheiß zu untersuchen und mitzunehmen.

Viel gelungener ist doch da der fallout-typische schwarze Humor, wenn er auch manchmal etwas übers Ziel hinausschießt (Stichwort sechsteiliger Raider). Dass es eine Fertigkeit namens „Toaster reparieren“ gibt, ist allein schon Weltklasse. Dennoch wirkt Wasteland 2 nie wirklich albern und die Ernsthaftigkeit einer postapokalyptischen Welt wird einem immer wieder schmerzlich in Erinnerung gerufen. Als besonders humorvolles Schmankerl gibt es außerdem noch einige Übersetzungsfehler wie etwa den besonders beinschützenden „Amerikanischen Ureinschoner“, der uns bei der Charaktererstellung entgegengrinst.

Wasteland 2 Ureinschoner (quelle: inxile)

Wasteland 2 – Mein Fazit

Wasteland 2 ist okay. Es ist nicht die Granate, die ich mir erhofft habe und löst weder Fallout 3 als mein liebstes Endzeit-Spiel noch XCOM Enemy Within als mein liebstes Taktikspiel ab. Aber es macht durchaus Spaß und lohnt einige Stunden eurer wertvollen Lebenszeit.

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Über den Author: Cage
Cage ist der Strategie-Experte bei Computerspiele.com und außerdem bekennender FIFA-Fanboy.

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