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Urteil: Final Fantasy XIV: A Realm Reborn

am 24.09.2013

Jetzt ist es also soweit. Nachdem Final Fantasy XIV eine absolute Katastrophe war, hat sich Square Enix knapp 3 Jahre Zeit genommen, um das komplette Spiel von Grund auf zu überarbeiten. Am 27. August hat nun endlich Final Fantasy XIV: A Realm Reborn das Licht der Welt erblickt und soll dort auch eine ganze Weile verweilen.
Final Fantasy XIV - A Realm Reborn - Logo (Quelle: Square Enix)
Was gut ist, was schlecht ist, und warum ihr dem Spiel eine Chance geben solltet, könnt ihr hier lesen.

Aus alt mach neu

Als alter Final Fantasy Fan hat es mich damals riesig gefreut, dass Square Enix mit Final Fantasy XI den MMO-Markt erobern wollte. Endlich ein Final Fantasy ohne Ende, endlich eine riesige offene Welt, und endlich mit Freunden durch das Final Fantasy Universum ziehen. Und tatsächlich war Final Fantasy XI ein großartiges, wenn auch sehr eigenes Onlinespiel, dass auch heute noch eine große Fangemeinde vorzuweisen hat. Square Enix ist mit Final Fantasy XI damals mutig einen eigenen Weg gegangen und hat mit dem Spiel einiges anders gemacht als die kommerziell erfolgreichere Konkurrenz.

Grund genug also, sich einige Jahre später auf den Nachfolger zu freuen. Die ersten Bilder und Videos haben auch eine Menge versprochen. Besonders im Grafikbereich konnte Final Fantasy XIV damals ganz groß punkten. Allerdings sollte sich schon bald herausstellen, dass die Grafikpracht ihren Tribut fordert und das Spiel alles andere als eine ordentliche Performance abliefern konnte. Viele PC-Spieler hatten arge Probleme, ein konstant hohe Framerate hinzubekommen, was den Spielspaß gewaltig getrübt hat. Allerdings war bei Final Fantasy XIV von Spielspaß sowieso eher selten die Rede. Square Enix hatte den Final Fantasy Fans zwar ein schickes Spiel auf den Bildschirm gezaubert, aber darüber hinaus komplett vergessen, dass sich hinter der ganzen Grafikpracht auch noch ein gutes Rollenspiel verstecken muss. Also hatte sich Square Enix dazu entschlossen, das Feedback der Fans ernst zu nehmen, und Final Fantasy XIV komplett zu überarbeiten.
FF XIV - Ocean (Quelle: Square Enix)
Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist das Ergebnis dieses mutigen Vorhabens und zeigt sehr genau, was möglich ist, wenn einem Studio, wie Square Enix, ein Spiel wirklich am Herzen liegt.
Nach drei Jahren harter Arbeit ist Final Fantasy XIV: A Realm Reborn zu einem Rollenspiel geworden, dass jeder Final Fantasy Fan spielen sollte und das auch Serien- und Genre-Neulinge begeistern kann. Auch, wenn Final Fantasy XIV: A Realm Reborn in vielen Punkten sehr oldschool ist und einige Komfort-Features vermissen lässt, so ist es doch ein sehr gutes MMO mit viel Atmosphäre, einer netten Story, großartiger Musik und einigen interessanten Ideen.

Nach einem holprigen Start geht das Abenteuer los

Nachdem ich in der glücklichen Position war, an der geschlossenen Beta-Phase teilnehmen zu können, wusste ich ja schon so einigermaßen, was mich im Spiel erwartet. Zumindest bis Level zwanzig. Denn das war das höchste Level, das man in der Beta-Phase erreichen konnte. Worauf ich allerdings nicht vorbereitet gewesen bin, waren die gigantischen Serverprobleme, mit denen Square Enix zu kämpfen hatte. Trotzt Early-Access, konnten die Server dem Ansturm an ausgehungerten Final Fantasy Fans am Release-Tag nicht standhalten, und das Einloggen wurde in der ersten Woche zu einem Geduldsspiel. Mittlerweile sieht die ganze Sache aber richtig gut aus, und es ist kein Problem mehr, sich in das Spiel einzuloggen.
FF XIV - Character Creation (Quelle: Square Enix)
Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist vom Grundgerüst her ein sehr oldschool-lastiges MMO. Zu Beginn des Spiels wählt ihr eine Rasse aus, werkelt ein bisschen am Aussehen herum, entscheidet euch für eine Klasse und könnt euch auch sofort in das Abenteuer stürzen. Anfangs läuft alles so, wie man es von anderen MMOs gewohnt ist. Nach einer kurzen Einführung findet ihr euch in eurer “Heimatstadt” wieder und bekommt, durch kleine Quests, die Grundzüge des Spiels erklärt. Das ist ein feine Sache, fängt aber an zu nerven, wenn man sich einen neuen Charakter erstellen möchte. Denn leider ist es nicht möglich, bei der Erstellung eines zweiten, dritten oder vierten Charakters, diesen Teil des Spiels zu überspringen. Das ist nur eines von mehreren kleineren Versäumnissen, die verhindern, dass Final Fantasy XIV sich komplett an die Spitze setzt. Zum Glück sind diese kleinen Versäumnisse aber nichts, was man nicht durch ein bis zwei Patches wieder geradebiegen könnte.

Bis euer Charakter Level 10 erreicht hat, läuft eigentlich alles wie gehabt. Ihr nehmt verschiedene Quests an, verdient euch neue Ausrüstungsgegenstände und ein bisschen Kohle und bekommt auch schon bald eure ersten Fertigkeiten. Diese Fertigkeiten könnt ihr während der viele Kämpfe dann auch zur Genüge einsetzten.

Das Kampfsystem in Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist dabei eine Mischung aus World of Warcraft und ganz leichten Guild Wars 2 Ansätzen. Grundsätzlich ist es aber so, dass euch für eure Angriffe ein relativ langer globaler Cooldown zur Verfügung steht, der das Kampfsystem recht langsam wirken lässt. Das ist sicher nicht jedermanns Sache und, in Zeiten von immer hektischeren Action-Kampfsystemen, eine etwas altbackene Entscheidung. Allerdings ist es gerade dieses Altbackene, das dem Spiel einen ganz eigenen Charme verpasst. Klingt komisch, ist aber so.

Hin und wieder lassen eure Gegner aber auch Angriffe vom Stapel, denen ihr aktiv ausweichen müsst. Dadurch wird das Kampfsystem von Final Fantasy XIV: A Realm Reborn zwar immer noch nicht dynamisch und modern, bekommt aber immerhin etwas Abwechslung. Und wer in seinen Kämpfen viel Bewegung und Abwechslung will, der wird bei den späteren Boss-Kämpfen seinen Spaß haben. Denn Final Fantasy XIV: A Realm Reborn versteht es wunderbar, den Spieler nach und nach an einen höheren Schwierigkeitsgrad heranzuführen. Sind die ersten Bosse und Dungeons noch im Schlaf zu bewältigen, so bekommt der Schwierigkeitsgrad spätestens bei Ifrit, Titan oder Garuda einen netten Schub nach oben. Durch die relativ häufige Einbindung von Dungeons in die Story-Quests wird man aber sehr gleichmäßig an den steigenden Schwierigkeitsgrad herangeführt. So hat man nie das Gefühl überwältigt zu werden, und wird optimal auf das Endgame vorbereitet.

Das Endgame wird bei Final Fantasy XIV: A Realm Reborn sowieso ganz groß geschrieben. Zwar sind viele der Story Quests sehr interessant und auch die Haupgeschichte weiß, besonders im späteren Verlauf des Spiels, zu fesseln, aber der eigentliche Levelvorgang geht für MMO-Verhältnisse relativ fix von statten, um möglichst schnell beim Endgame zu landen. Da viele der Quests aber recht langweilige Fetchquests sind und man die meiste Zeit sowieso nur von Punkt A nach Punkt B geschickt wird, um mit jemandem zu reden, oder zweieinhalb Gegner zu erledigen, kommt das schnelle Aufleveln gerade recht.
FF XIV - Character Sheet (Quelle: Square Enix)
Wer keine Lust auf Nebenaufgaben hat, der kann in sogenannten Fates Erfahrungspunkte für seinen Charakter sammeln. Fates sind Ereignisse, die immer wieder in der Welt stattfinden und an denen jeder teilnehmen kann, der schnell Erfahrungspunkte sammeln möchte. Leider bestehen die meisten dieser Ereignisse nur aus stupidem Gegner verprügeln. Hin und wieder gibt es aber auch Fates bei denen ihr NPCs beschützt, Gegenstände sammelt oder sogar gegen mächtige Bosse kämpfen müsst. Besonders in den höheren Levelbereichen kommen später riesige Bosse auf euch zu, die recht imposant sind und euch bis zum Sieg einiges abverlangen.

Typische MMO-Kost, tolle Dungeons und ein flexibles Klassensystem

Ansonsten findet man in Final Fantasy XIV: A Realm Reborn so ziemlich alles, was man aus anderen MMOs gewöhnt ist. Spieler können sich in Gilden zusammenschließen, es gibt verschiedene erlernbare Handwerksberufe, ihr könnt eure Ausrüstung ganz nach eurem Geschmack färben, wer nicht laufen möchte, besorgt sich ab Level 20 ein Reittier und wenn ihr ein bestimmtes Level erreicht habt, stehen euch auch schon die ersten Dungeons zur Verfügung.
FF XIV - Fate (Quelle: Square Enix)
Bevor ihr euch aber todesmutig in euren ersten Dungeon stürzt, solltet ihr vielleicht darüber nachdenken, ob ihr nicht noch eine zweite Klasse erlernen wollt. Denn eine ganz große Besonderheit an Final Fantasy XIV: A Realm Reborn, ist das flexible Klassensystem. Das geht sogar soweit, dass ihr irgendwann komplett neue, fortgeschrittenere Klassen freischalten könnt. Ich habe zum Beispiel mit einem einfachen Lancer angefangen, diesen bis auf Stufe dreißig gelevelt und anschließen einen Marauder auf die fünfzehnte Stufe gebracht. Was dabei rauskommt ist ein schicker Dragoon, dessen einzigartige Fähigkeit darin besteht, mit seinem Speer besondere Sprungangriffe auszuführen. Der Klassenwechsel wird euch bei Final Fantasy XIV: A Realm Reborn übrigens sehr leicht gemacht. Habt ihr keine Lust mehr auf einen Warrior, rüstet ihr euch einfach mit einem Speer aus und habt somit in Sekundenschnelle eure Klasse gewechselt.

Nun aber zurück zu den Dungeons. Hier gebührt den Entwicklern des Spiels großes Lob. Alle Dungeons sind wunderbar designed und halten hin und wieder einige Überraschungen für euch parat. Sind die ersten Dungeons noch recht einfach gehalten, um euch an die Mechaniken des Gruppenspiels heranzuführen, so wird der Schwierigkeitsgrad in regelmäßigen Abständen immer fordernder. Zwar ist nicht jeder Dungeon, und auch nicht jeder Boss, ein absoluter Volltreffer, trotzdem hatte ich in den Dungeons von Anfang an viel Spaß und durfte auch einige spannende Boss-Kämpfe bestreiten. Denn Square Enix schickt euch während der Story-Quests regelmäßig in Dungeons und spendiert euch dabei Boss-Kämpfe, die dumpfes Draufhauen ohne Teamwork gnadenlos bestrafen. Später gibt es von bestimmten Bossen dann noch eine harte Version, mit der absolut gar nicht mehr zu spaßen ist. Diese Bosse sind aber nur für Spieler von Bedeutung, die im Endgame die beste Ausrüstung für ihren Charakter sammeln möchten.

Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ist für mich ein zweischneidiges Schwert

Ich habe mit Final Fantasy XIV: A Realm Reborn viel mehr Spaß, als ich eigentlich haben sollte. Grundsätzlich ist es erst mal so, dass sich dieses Spiel viel mehr nach früheren Final Fantasy Spielen anfühlt, als alles was Square Enix in der letzten Zeit unter dem Final Fantasy Deckmantel herausgebracht hat. Das hat verschiedenen Gründe. Zum einen ist das komplette Design des Spiels absolut stimmig und lässt durch das Zusammenspiel aus Grafik und Musik eine Atmosphäre entstehen, die mich tatsächlich in die Zeit der guten alten Final Fantasy Spiele zurückversetzt. Da kann es natürlich auch nicht schaden, dass an allen Ecken und Enden Fanservice vom Feinsten betrieben wird. Wer mit der Final Fantasy Reihe vertraut ist, der wird immer wieder ein breites Grinsen auf dem Gesicht haben.
FF XIV - Windmills (Quelle: Square Enix)
Zum anderen ist sich Square Enix seiner Vision des Spiels sehr bewusst und scheut auch nicht davor zurück, altbackene Elemente in das Spiel mit einzubauen. Vielleicht hat Final Fantasy XIV: A Realm Reborn ja gerade deshalb einen gewissen Retro-Charme, der zeitgleich Segen wie auch Fluch ist.

Sobald ich das Spiel lade und mit meinem Charakter weiter zocke, stellt sich dieses typische Homecoming-Gefühl ein, wie ich es zu Super Nintendo Zeiten immer hatte. Allerdings stellt sich nach längerem Spielen aber auch eine gewisse Unruhe bei mir ein. So nett wie die Story auch sein mag, so monoton ist der Weg zum Endgame leider auch. Bis auf die verschiedenen Dungeons und einige instanzierte Quests, ist der komplette Levelvorgang ein ständiges hin und her Rennen und außerdem noch viel zu einfach. Wirkliche Herausforderungen gibt es eigentlich nur in den Dungeons, und alles andere ist monotones Gegner-Umhauen oder NPCs anquatschen.

Das sorgt bei mir leider dafür, dass sich nach zweistündiger Spielzeit Ermüdungserscheinungen einstellen und ich das Spiel erst mal wieder ausmachen muss. Allerdings stellt sich der Drang zum Weiterspielen schon kurze Zeit später wieder ein, und ich drehe doch noch eine Extrarunde durch Eorza. Deshalb zocke ich Final Fantasy XIV: A Realm Reborn zwar regelmäßig, aber dafür immer relativ kurz. Ob das reicht, um ein monatliches Abo zu rechtfertigen, wird sich noch zeigen müssen.

Unterm Strich bleibt also ein sehr gutes MMO, dass vieles richtig macht, aber auch einige Schwächen vorzuweisen hat. Für die einen (wie zum Beispiel mich) mag der Retro-Charme und das altbackene Kampfsystem ein Pluspunkt sein, für andere wiederum ist das der Grund, sich anderen Spielen zuzuwenden. Das gute an MMOs ist aber, dass sie sich mit der Zeit weiterentwickeln und nichts in Stein gemeißelt ist.

Wer also Lust auf das beste Final Fantasy der letzten Jahre, oder auf ein sehr gutes MMO mit viel Potenzial hat, der sollte dem Spiel einfach mal eine Chance geben. Wer viel Innovation und ein dynamisches, actionlastiges Kampfsystem in einem MMO sucht, sollte sich nach anderen Alternativen umsehen.

Auch wenn Final Fantasy XIV: A Realm Reborn relativ langsam in Fahrt kommt und sich in vielen Punkten sehr oldschool anfühlt, so ist es doch ein überdurchschnittliches MMO, dass gerade im Endgame zu überzeugen weiß. Final Fantasy XIV: A Realm Reborn spricht eine ganz spezielle Zocker Gruppe an, macht auch gar keinen Hehl daraus, und das ist auch gut so.

Daher gibt es von mir definitiv einen Daumen nach oben.


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Über den Author: Skrei
Skrei ist ein RPG-Fanatic und ist auch dem ein oder anderen Indie-Spiel gegenüber nicht abgeneigt.

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