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Moments: Die Champions League gewinnen (FIFA)

am 26.09.2012

Lyon Lloris (quelle: EA Sports)
Ich schreie auf! Gehalten! Der Teufelskerl entschärft tatsächlich den letzten Ball. Vergessen ist die grauenvolle Szene zu Beginn der ersten Halbzeit, als der Keeper einen Abwurf zum Gegner schleuderte und so den Rückstand herbeiführte. Jetzt ist er der Held. Er und seine zehn Kameraden, die nun erschöpft und überglücklich auf dem Rasen stehen und endlich die Trophäe hochhalten. Ich bin Champions League Sieger geworden! Zufrieden lege ich das Gamepad auf den Tisch.

Wenn es um Fußball geht, bin ich ein Realismusfanatiker. Damit ist nicht unbedingt nur das Gameplay gemeint, sondern vor allem das gesamte Drumherum. Auch deshalb entschied ich mich vor vielen Jahren für die lizenzstrotzende FIFA-Reihe, obwohl ich in den Neunzigern glühender Verehrer des Rivalen von Konami gewesen bin. Jedes Jahr spiele ich nun aber nicht die vorgefertigten Ligen und Szenarien durch, sondern erschaffe mir meine eigene Realität und kreiere meine eigenen Turniere nach dem Vorbild der echten Wettbewerbe der UEFA. Da steht die Champions League natürlich ganz oben auf meiner Hitliste, auch ohne offizielle Musik und Original-Logo. Mein Realismus-Spleen will es, dass ich mich nicht nur mit der Endrunde zufrieden gebe, sondern sogar eine Reihe von Qualifikationsmatches spiele – mit zum Teil unfassbar uninteressanten Teams. Doch ich sage euch: Am besten lernt ihr ein Spiel wie FIFA kennen, wenn ihr mit Mannschaften wie Sturm Graz gegen die Shamrock Rovers um ein Ticket in die Gruppenphase kämpft. Nix da mit CR7-Tricks und Messi-Solos. Da wird noch richtig Gras gefressen!

In jener Saison, von der ich euch hier erzählen werde, steuerte ich insgesamt die Hälfte der 32 Teams, die letztlich die Gruppenphase erreichten. Schließlich will ich ja möglichst lange etwas vom Turnier haben, denn es gibt pro Jahr nur eines – wenn schon Realismus-Spleen, dann richtig. Dabei wählte ich nicht nur Topteams wie Real oder Arsenal, sondern auch Außenseiter wie Piräus, Ajax oder Olympique Lyon. Im Laufe der Gruppenspiele kristallisierte sich heraus, mit welchen Mannschaften ich besonders gut spielen konnte. Überraschenderweise hatte es mir besonders Olympique Lyon angetan. Der zuletzt mehrfach entthronte vormalige Serienmeister aus Frankreich galt lange als Geheimtipp der Champions League, scheiterte jedoch stets vorzeitig. In meiner eigenen Wirklichkeit aber schaffte Lyon in dramatischen Spielen den knappen Gruppensieg vor Borussia Dortmund und schaltete dabei sogar den großen FC Barcelona aus. Die Franzosen würden es weit bringen, das wusste ich.

Lyon Cris (quelle: EA Sports)

Mein Innenverteidiger Cris in voller Robustheit

Die beiden besten Spieler waren Torwart Hugo Lloris, der schon in den hautengen Duellen der Gruppenphase geglänzt hatte, und der argentinische Stürmer Lisandro Lopez, auch in der Realität einer der unterschätztesten Angreifer Europas. Im Achtelfinale wartete jedoch mit Inter Mailand ein echter Brocken, den die KI dorthin gebracht hatte, da ich prinzipiell nicht mit italienischen Vereinen spiele. Nach einem unglücklichen 1:1 zuhause mauerten die Tifosi im Rückspiel den Strafraum zu und wollten mich über die Auswärtstorregel rauskicken. Doch einen brillant vorgetragenen Angriffszug über die linke Seite vollendete Lopez zum hochverdienten und entscheidenden 1:0. Im Viertelfinale schaltete ich dann die Überraschungsmannschaft Panathinaikos Athen aus, obwohl ich das Hinspiel auswärts mit 1:2 verlor. Zuhause ließ ich es dann aber richtig krachen und fegte die Griechen mit 5:1 aus dem Stadion. Das Halbfinale brachte dann den ebenfalls bis dahin KI-gesteuerten AC Mailand. Wie schon gegen Inter hieß es zunächst 1:1, ehe es im Rückspiel ebenfalls 1:1 stand und ich mich auf eine dramatische Verlängerung gefasst machte. Doch Lopez, dieser Teufelskerl, schnappte sich das digitale Leder und brachte mir den Einzug in mein ganz persönliches Champions League Finale.

An einem wirklich ruhigen Abend ohne erwartete Störungen von außen schickte ich mich also an, private Computerspielgeschichte zu schreiben. Endgegner war Manchester City, die ich ebenfalls in teils dramatischen Spielen ins Finale gebracht hatte, jedoch keine so innige Bindung zu ihnen aufgebaut hatte, weswegen meine Wahl auf Lyon als selbst gesteuertes Team fiel. Nach einer durchwachsenen ersten Halbzeit stand es 0:0. Beide Teams hatten offenbar mehr Angst vor dem Gegentor als Mut zu einem eigenen Treffer. Dann geschah es. Lloris, mein hochgeschätzter Keeper, warf einen von mir mit zittrigem Finger befohlenen Abwurf direkt auf Carlos Tevez, der nicht lange fackelte und mir das 0:1 einschenkte. NEIN, NICHT SO! schoss es mir durch den Kopf. Das ganze lange Turnier – am Ende entschieden durch so einen dummen Fehler! Doch mein Gott an diesem Abend hieß wieder einmal Lopez. Der Argentinier egalisierte Citys Führung und brachte mich in der Verlängerung sogar in Front, die jedoch nur wenige Sekunden später von Manchester ausgeglichen werden konnte. Es ging ins Elfmeterschießen. Ich war bereits jetzt um Jahre gealtert und dem Herzinfarkt nahe. Trotzdem war ich überraschend souverän vom Punkt. Dann hielt Lloris und ich schrieb meine eigene kleine Fußballgeschichte.

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Über den Author: Cage
Cage ist der Strategie-Experte bei Computerspiele.com und außerdem bekennender FIFA-Fanboy.

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