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Thema: Fehler mit System

am 31.10.2011

Halbgar_Tattoofehler
So lange wie es Computerspiele gibt, gibt es auch schon Bugs. Das liegt im fluiden Wesen der digitalen Sache und wir haben uns damit abgefunden. Fast genauso lange gibt es aber immerhin auch Patches, die dagegen helfen. Doch was uns zuletzt zugemutet wurde, geht auf keine Kuhhaut mehr.

Stundenlange Wartezeiten wegen überfüllten Servern, massig Programmfehler, nervende Lags und grottiges Balancing, dazu einfach unfertige Spielinhalte. Die Liste der Schande ist lang. Toptitel wie Battlefield 3 und FIFA 12 – an sich großartige Games mit Metabewertungen von 90% und mehr – kommen schlicht und ergreifend unfertig auf den Markt oder können aus technischen Gründen nicht halten, was sie versprechen. Hinzu kommen Unzulänglichkeiten bei der Registrierung, Aktivierung oder auch Kontrollierung durch Kopierschutzmaßnahmen und eigene Distributionsplattformen wie Origin von Electronic Arts. Besonders der Megaseller Battlefield 3 hat für enorme Schwierigkeiten gesorgt, teilweise funktionierte nicht mal die simple Installation des Spiels. Ähnliche, wenn auch kleinere Probleme gab es auch bei EAs Fußball Manager 12, für den man ebenfalls eine Origin-Registrierung brauchte. Eine richtig entnervte Community erzeugte auch FIFA 12, ebenfalls aus dem Hause EA. Noch heute, über einen Monat nach Release, gibt es tagtägliche Meldungen über Fehler bei der Nutzung der zahlreichen Onlineoptionen.

Doch nicht nur Electronic Arts hat mit diesen Problemen zu kämpfen. Auch viele andere Publisher werfen Produkte auf den Markt, deren Marktreife bereits ein Praktikant nach einer halben Stunde hätte in Frage stellen können. Bethesdas Rollenspielknaller Fallout: New Vegas beispielsweise hatte in der rohen Verkaufsversion teils kuriose Bugs mit drehenden Köpfen und dergleichen. Das Formel-1-Rennspiel F1 2011 von Codemasters strotzte zu Beginn vor Grafikfehlern und einer viel zu niedrigen Framerate. Was allerdings bei EA auffällt, ist der offensichtliche Termindruck, der für einige Fehler der Grund sein dürfte. Jährliche Franchises wie FIFA oder der Fußball Manager haben nur ein Jahr Zeit, entwickelt zu werden und eine Beta-Testphase kommt daher nicht in Frage. Die gab es löblicherweise zwar bei Battelfield 3, doch auch der Shooterkönig musste den Konkurrenten von Activison (Modern Warfare 3) im Rückspiegel im Auge behalten, damit nicht die drei Wochen Releasevorsprung flöten gehen. Auch bei Dead Island von Deep Silver war der Releasetermin offenbar wichtiger als die Performance. Wie sonst erklärt es sich, dass bereits am Tag des Erscheinens ein Patch bereit stand!? Ganz harsch formuliert: Der Hersteller ließ wissentlich ein fehlerhaftes Produkt vom Stapel. Es gibt Branchen, da gibt’s dafür Knast.

Aber es ist ja nicht so, als ob vom Spielen des neuesten Titels gleich am Releasetag unser Leben abhinge – die Sache ist weitaus ernster! Vorbestellerboni, garantierte Lieferung am VÖ-Tag, Spielen ab der Stunde 0 – das sind die Versprechungen, auf die wir uns nur zu gern einlassen. Wir bezahlen den vollen Preis und wenn nötig noch einiges Extra für Sondereditionen oder Zusatzinhalte (Stichworte: Live Season und Creation Center bei FIFA 12) und erwarten dann, dass gefälligst alles funktioniert. Stattdessen blicken wir auf: „Es ist ein Verbindungsfehler aufgetreten“ „Die Web App steht momentan nicht zur Verfügung“ und „Serverauslastung erreicht“. Wir verstehen ja, dass es unwirtschaftliche wäre, nur für die ersten Tage/Wochen nach Release zusätzliche Server zu aktivieren, die dann nie mehr gebraucht werden, aber uns so ganz unmündig rumschubsen lassen wollen wir auch nicht. Zur Ehrenrettung von EA sei gesagt: Die brachiale Open Beta mit acht Millionen Spielern und gänzlich ohne Umsätze ist wirklich das Maximum, was man an Testing vor dem Release machen kann und hat bestimmt viele Verbesserungen gebracht.

„Die wollen uns ja eh nur Abzocken!“ höre ich bereits die ersten rufen. Doch ganz so einfach ist das auch nicht. Bleiben wir mal bei Electronic Arts. Wie wir kürzlich berichteten, hat EA im abgelaufenen Geschäftsjahr erneut Verlust gemacht, wirtschaftet also defizitär. Trotz der gewaltigen Verkaufseinnahmen von Schlagerspielen wie eben Battlefield und FIFA sind die Entwicklungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten also offenbar zu hoch. Bei dem hohen Qualitätsanspruch der Spieler und der starken Konkurrenz (Call of Duty bzw. Pro Evolution Soccer) müssen Ausgaben wie etwa Serverkosten und Zeitverzögerungen bei der Entwicklung durch Bugbehebung minimiert werden. Zusatzeinnahmen durch DLCs und Premiuminhalte hingegen sind für uns Spieler freiwillig und somit kaum planbar. Es ist zwar richtig, dass man bei gewissen Angeboten richtig viel Geld lassen kann, doch wenn wir ehrlich sind, dann können wir das auch jederzeit ablehnen. Niemand zwingt uns dazu. Wir sind es aber, die immer die beste Grafik und die geilsten Features haben wollen. Dafür geben wir auch gern unser sauer verdientes Geld aus, meinetwegen auch nochmal einen Zehner drauf für Extra-Waffen oder realistische Saisonergebnisse. Aber dann hat das gefälligst auch sauber zu laufen und nicht erst zwei Monate später, wenn das ursprüngliche Spiel schon für 35,- statt 50,- Euro angeboten wird.

Es ist ein schwieriges Thema und beide Seiten haben ihre Argumente. Doch aus Konsumentenperspektive ist die Sache recht eindeutig. Ich zahle für ein Produkt oder eine Dienstleistung und erwarte, dass die Gegenseite in vollem Umfang ihren Teil des Vertrages erfüllt. Sonst reklamiere ich und bekomme mein Geld zurück. Hat das eigentlich mal jemand bei DLCs oder ähnlichem probiert? Das würde mich ja mal interessieren…

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Über den Author: Cage
Cage ist der Strategie-Experte bei Computerspiele.com und außerdem bekennender FIFA-Fanboy.

1 Kommentar

  • acefalco schrieb am 02/11/2011, um 12:53:

    Korrekt und objektiv geschrieben!

    Ich finde es gut, dass Du die Zwänge und Probleme beim Hersteller aufführst ehe Du auf die stellenweisen katastrophalen Releaseergebnisse der Spiele eingehst.

    Ich denke auch, dass es bei Spieleherstellern genauso druckvoll und ruppig zugeht wie in anderen Branchen, den letztenendes zählen Umsatz und Ertrag!
    Dennoch ist es korrekt zu fordern, dass keine unfertigen Spiele auf den Markt kommen!

    Ganz schlimm finde ich aktuell Codemasters: Aus dem wirklich desaströsen Bug Festival bei F1 2010 hat man nichts gelernt: Wenn man sich allein vor Augen führt wie lange es diesen “11/11″ Setup Bug gibt und nicht dennoch nicht nachgebessert worden ist, dann wird deutlich, dass der Entwickler dieses Szenario nicht nur auf die Post-Release Phase verschoben hat, sondern es bei seinen internen Tests komplett verpennt hat oder im schlimmsten Fall bewusst so programmiert hat!
    Was F1 2011 betrifft fehlen mir komplett die Worte – bei anderen Games habe ich teilweise Verständnis.

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