World of Warcraft: Cataclysm
Vor ziemlich genau 6 Jahren erblickte ein von Fans lang ersehntes Spiel, namens World of Warcraft, das Licht der Welt. Mittlerweile gilt es als unangefochtener Herrscher über das Genre der MMORPGs. Mit World of Warcraft: Cataclysm geht jetzt die dritte Erweiterung an den Start, die alles ändern soll. Wer sich etwas in Azeroth auskennt, weiß, dass ein Großteil der Cataclysm-Inhalte schon per Patch eingeführt wurde. Da stellt sich doch von vornherein die Frage: Lohnt es sich wirklich?
Atmosphäre: Dazugelernt.
Meine Haare sind zerzaust, meine Fingernägel auf ein Minimum reduziert, und die Nerven liegen blank. Plötzlich klingelt es nach einer gefühlten Ewigkeit an der Tür. Die Post. Cataclysm ist da. CD-Key aktivieren, installieren, einloggen. Wow, das ging schnell. Nachdem alle Vorbereitungen, wie der Erwerb der Fluglizenz für die alte Welt, das Erlernen der neuen Berufs-Stufen und redundante Einkäufe erledigt sind geht es los – Level 85 wartet. Doch hier wartet schon die erste schwierige Entscheidung. Hyjal oder Vash’yr. In Hyjal bekomme ich Todesschwinge zu Augen. Alles brennt und es wimmelt nur so von Elementaren, die mir das Leben zur Hölle machen wollen. Vash’yr hingegen macht mir Angst. Ein Unterwasser-Gebiet? Das kann doch nicht funktionieren. Das funktioniert in keinem Spiel. Dennoch wage ich einen Blick in das aus der Tiefe emporgestiegene Areal. Zu Anfang gestaltet sich die Fahrt mit dem Söldnerschiff äußerst ruhig – wie man es aus World of Warcraft kennt. Dann jedoch plötzlich Getöse und Geschrei. Ein riesiger Oktopus streckt seine Tentakel gen Himmel und reißt das Schiff samt Passagieren und Crew in die Tiefe. Zum Glück werde ich von einem freundlichen Schamanen gerettet, der mir prompt Unterwasseratmung spendiert und mich ins Trockene bringt. Ganz großes Kino.
Grafik: Es ist, wie es ist.
Achja, die Sache mit der Grafik. Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Diskussionen rund um World of Warcraft. Wir wollen uns aber nicht mit ollen Kamellen befassen, sondern lediglich mit den Änderungen der Erweiterung. Und da wären wir auch schon beim ersten Manko. Blizzard setzt mit Cataclysm ganz klar auf Spielinhalte, sowie die Verbesserung der Spielerfahrung. Eine Rundum-Erneuerung der Grafik-Engine ist laut jüngsten Pressemeldungen zum Thema nicht geplant. Deshalb müssen wir uns wohl mit den atemberaubenden neuen Wasser-Effekten begnügen, die mit dem Addon eingeführt wurden. Immerhin gibt es ja für Besitzer einer High-End-Zockstation, den vor einiger Zeit eingeführten Ultra-Grafik-Modus. High-Tech ist anders, aber ansehnlich ist World of Warcraft allemal, zumal der Comic-Stil seit jeher fester Bestandteil des Warcraft-Universums ist.
Einzelspieler: Questen mit Sinn!
Mit Einzelspieler meint man heutzutage natürlich auch gleichzeitig den “Offline”-Modus. Sowas hat World of Warcraft natürlich nicht. Daher widmen wir uns auch eher den Neuerungen die in Azeroth auf gildenlose, eingefleischte Solo-Gamer warten, die ihren Status niemals von “Do Not Disturb” auf “Available” setzen werden – niemals. Da wäre zum einen der neue Beruf Archäologie, der es mir ziemlich angetan hat. Nach dem Zufallsprinzip bekommt man auf der Karte ab und an kleine Gebiete angezeigt, die für Ausgrabungen geeignet sind. Hier beginnt die Schnitzeljagd, die sich aber als durchaus einfach erweist. Leuchtet der aufgestellte Sensor grün, gibt es als Belohnung einen Schatz, der einem bestimmten Volk zugeordnet wird. Hat man genug Teile eines Volkes gesammelt, verdient man sich eine Belohnung. Weiterhin wurde am Konzept der Quests gewerkelt. Alle alten Gebiete wurden überarbeitet und die Quests sind enger miteinander verknüpft. Beginnt man in einem bestimmten Gebiet zu questen, erlebt man ab sofort eine Geschichte ohne elendig viele Side-Quests, die nur das Quest-Log verstopfen. So macht leveln wieder Spaß. Die neuen Rassen, Goblins und Worgen, sowie die Rassen-Klassen-Kombinationsmöglichkeiten dürfen an dieser Stelle natürlich auch nicht vergessen werden. Untoter Jäger? Tauren Paladin? Nachtelfen Magier? Kein Problem.
Mehrspieler: Back to the roots.
Hier hat Blizzard sich selbst übertroffen. Vielleicht bin ich nur von den schönen neuen Dungeons geblendet, aber so oder so hat sich etwas getan. Blenden ist übrigens ein gutes Stichwort. Eine Fähigkeit meines Schurken, die ich seit dem Release von Wrath of the Lich King nur noch im PvP benutzt habe. Genauso wie alle anderen die keinen Schaden verursachen. Dass der Schwierigkeitsgrad der Dungeons jedoch so enorm angehoben wurde, damit hatte ich nicht gerechnet. Wer sich übrigens wundert, warum er im Dungeon-Finder keinen der neuen Dungeons aufgelistet hat, tut das nicht ohne Grund. Ab sofort müssen Instanzeingänge “gefunden” werden, damit man die Instanz betreten kann. Diese Maßnahme ist wahrscheinlich sowas wie erzwungenes Sight-Seeing der neuen und neu-gestalteten Gebiete. Für Gilden haben sich die Jungs von Blizzard auch etwas einfallen lassen. Wer Erfahrung für seinen Charakter sammelt, sammelt gleichzeitig Gildenerfahrung. Auch Gildenerfolge sind mit von der Partie. Das Tolle: Es gibt Belohnungen dafür.
Gameplay: Weich wie warme Butter.
Wie angenehm sich World of Warcraft spielt, weiß wahrscheinlich fast jeder, schließlich ist das mitunter einer der tragendsten Gründe dafür, dass überhaupt so viele Leute nicht von diesem Game loskommen. Als Paradebeispiel für gelungenes Gameplay in World of Warcraft: Cataclysm führe ich zum ersten Mal in meiner Videospiel-Karriere – Trommelwirbel – ein Wasser-Areal an. Vash’yr. Nach der ersten absolvierten Quest, bekommt man eine Fähigkeit, die es erlaubt auf dem Meeresgrund zu laufen. Einige Quests später gibt es sogar ein Seepferd. Keine Kamera-Probleme, die verhindern, dass man überhaupt irgendetwas sieht. Keinerlei Probleme mit Gegnern, die unter, über oder hinter dem eigenen Charakter stehen. Einfach nicht die übliche Wasser-Problematik. Auch die Umstrukturierung der einzelnen Questgebiete kommt dem Flow zugute, da man sich zum ersten Mal auch etwas Zeit für die Geschichte nehmen kann und so eine Bindung erzeugt wird, die ich in World of Warcraft seit dem Release vor sechs Jahren noch nichtmal auf einem RP-Server erlebt habe.
Fazit: Alles drin außer Schokolade.
World of Warcraft: Cataclysm hält was es verspricht – in jedem Punkt. Auch wenn es bis dato noch von allerlei Bugs geplagt wird, kann es schon jetzt überzeugen. Argumente wie “Das Spiel wird ja immer einfacher!” oder “Blizzard kümmert sich nur noch um Casual-Gamer!” sind dank neuem End-Content und schwierigeren Dungeons, Schnee von gestern. Jeder hat etwas vom neuen Addon. Seien es die neuen Rassen, Klassenkombinationen, Gebiete, Dungeons, Quests oder auch einfach nur die Möglichkeit in Azeroth fliegen zu können, das Geld ist gut investiert. Dank World of Warcraft: Cataclysm ist Azeroth lebendiger als je zuvor.
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