FIFA 11
Nein, dieser Test wird nicht zum direkten Vergleich mit PES. Nein, nichts wird in Relation zum ewigen Konkurrenten betrachtet, es wird keine Glaubensdebatte, keine Claimabsteckung, keine Gegenüberstellung. Kein Wort wird darüber fallen, dass die Gesichter bei PES vielleicht doch besser gelungen sind, überhaupt die Animationen, und erst die Spielphysik. Nein, dieser Test beschäftigt sich nur mit FIFA 11 – zugegeben, auch mit dem zwiespältigen Verhältnis von PC- zu Konsolenversion.
Gameplay: Endlich ein wirklicher Schritt nach vorne
Wie ist die ewig bohrende, zentrale Frage nach der Spielphysik zu beantworten? Folgendermaßen: FIFA 11 fühlt sich gut an. Die Ballphysik ist gelungen, das runde Leder prallt beim Gegner und dessen Grätschen realistisch ab. Insgesamt wirken vor allem die Zweikampfsituationen echt, man wird abgedrängt, man behakt sich und rangelt – viele Momente werden nun vielseitiger gelöst. “Collision Sharing” nennt EA das. Der Spielaufbau ist flexibler, das Passsystem hingegen nach wie vor recht einfach geraten. Auch die Torhüter müssen gelobt werden, sie verhalten sich realistisch, kommen im richtigen Moment aus ihrem Kasten und sind auch bei Flanken aktiv. Man merkt deutlich: Es wurde sich von der alten PC-Engine verabschiedet und sich auf die Adaption der Konsolenversionen gestürzt – ein längst überfälliger Schritt.
Aber: Alle Neuerungen, mit denen die Neugierde der Fans in den vergangenen Monaten hochgehalten wurden, waren anscheinend exklusiv für Konsolen vorgesehen, so dass sich die PC-Version von eben jenen deutlich unterscheidet. Hier ist nichts zu sehen von Personality+ , dem neuen Passsystem und der Möglichkeit, den Torwart zu steuern. Es erinnert alles doch sehr an die Konsolenversion von FIFA 10.
Atmosphäre: Echte Namen, echtes Feeling
Natürlich ist das Vorhandensein allumfassender Lizenzen nach wie vor das große Plus der FIFA-Reihe. 542 Vereinsteams, 39 Nationalteams und 31 komplette Ligen warten auf den Spieler, eingebettet in einem, wie gewohnt optisch ansprechendem Menü.
Stadionsprecher, Fangesänger, ja die ganze Soundkulisse sorgt für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die Optik der Ränge ist etwas steril, aber dennoch kommt richtiges Matchfeeling auf. Schlecht wie eh und je sind die Kommentatoren, das neue Duo Buschmann/Brückmann ist – einmal mehr – nur in der Konsolenversion zu haben. Auch die Möglichkeit, eigene Fangesänge zu kreieren, fehlt hier.
Grafik: Fortschritt mit Mängeln
Hier gibt es viel gutes sowie wenig schlechtes zu berichten. Hochauflösende Texturen und schöne Animationen sorgen dafür, dass man gerne zusieht. Hier wurde im Vergleich zum Vorgänger ordentlich draufgepackt – man erinnere sich an die Rasentextur bei FIFA 10.
Negativ zu beurteilen sind hingegen die Gesichter der Spieler. Während einige Stars recht ansehnlich modelliert wurden, hat der Durchschnittskicker meist nur entfernte Ähnlichkeit mit seinem Vorbild aufzuweisen. Ein Thomas Müller ist beispielsweise nicht zu erkennen – gut, natürlich besitzt der auch in der Realität ein recht durchschnittliches Gesicht, aber sein lustige Frisur hätte man besser hinbekommen können.
Einzelspieler: Teils dürftiger Umfang
Selbstverständlich bietet auch FIFA 11 wieder diverse Spielmodi um sich wochenlang zu vergnügen. Die Management-Variante umfasst beispielsweise die Steuerung aller Belange eines Teams, vom Transfergeschehen über das Umfeld, die Taktik und die Aufstellung. Dass allerdings ein Modus wie ‘Be-a-Pro’, bei dem ein eigens kreierter Spieler gesteuert werden kann, nur über 4 Saisons geht, ist lächerlich und trübt die Freude an solcherlei Spielereien.
Mehrspieler: 11 vs. 11? Nicht für uns!
Hier liegt sicher die Stärke von FIFA. Mehrspielermatches machen einfach Spaß – und das durchaus auch ganze Nächte hindurch. Wer keine Freunde zum spielen hat, kann auch über das Online-Portal von EA seine Partien austragen, sogar ein 11 vs. 11 Modus soll es geben. Dessen Sinnhaftigkeit kann allerdings bezweifelt werden, eher wird man sich wohl an ein F-Jugend Spiel erinnert fühlen – alle Spieler auf den Ball. Aber halt, diese Information bitte löschen – dieser Modus wird ebenso nur für die Konsole aktiviert.
Fazit: Gelungen, aber…
An sich ist FIFA 11 für den PC ein wirklich gelungenes Fußballspiel, das sicher für zahlreiche unterhaltsame Abende sorgen kann. Die Grafik ist gut, das Spiel läuft realistisch, aber doch actionreich ab, durch taktische Feinjustierungen hat man größeren Einfluss auf das Verhalten der Mitspieler. Was bedeutet: Endlich hat es EA geschafft, die FIFA-Reihe in einer würdigen Version auf den PC zu bringen. Der Haken an der Sache: Man bekommt quasi das aufpolierte FIFA 10 der Konsolen serviert. Aufgewärmt und mit frischen Beilagen. Sterneküche sieht anders aus. Der PC-Spieler eben doch nur als Gast zweiter Klasse. Schade.
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CPU: Core2Duo 2,5 GHz
RAM: 1 GByte (Windows XP), 2 GByte (Windows Vista/7)
DirectX: DirectX 9.0
Grafikkarte: Shader 3.0-Karte mit 256 MByte Videospeicher
Festplatte: 6,5 GByte








