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Urteil: Bastion

am 23.08.2011

Bastion (Quelle: Supgergiant Games)Das quietschbunte Indie-RPG ist seit letzter Woche auf Steam verfügbar – für uns genug Zeit, uns den im Vorfeld schwer gehypten Indie-Kracher ausgiebig anzusehen und ein Urteil zu fällen.
Zuallererst: der Hype, den Bastion im Vorfeld erfahren hatte, führte bei mir zu einer gewissen Erwartungshaltung – und in den ersten Spielminuten dachte ich, von Bastion eher ziemlich enttäuscht zu werden. Die Steuerung ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Die Atmosphäre ist zwar ausgesprochen gelungen – die liebevoll gestaltete Spielwelt, die sich dynamisch vor uns aufbaut, der stimmungsvolle Erzähler, der unser Handeln kommentiert – aber Atmosphäre allein macht eben noch kein gutes Spiel. Am Ende macht eben doch der Ton die Musik, und nicht das aufreizende Outfit der Musikerin, dachte ich mir fast eine Stunde lang und war drauf und dran, Bastion wieder beiseite zu legen.

Das habe ich glücklicherweise nicht getan: kaum war die erste Stunde überstanden und die Steuerung auf meine Bedürfnisse angepasst (es gibt zwei verschiedene Steuerungsmodi, einmal eher im RPG-Style, einmal eher im Shooter-Style), entfaltete das grundlegende Gameplay bereits erste Freude. Plötzlich fühlte ich mich geschickter, es machte Spaß durch die Welt von Bastion zu gurken und Gaskerlen und anderen Ausgeburten der bunten Hölle den Garaus zu machen. Vollends überzeugt war ich dann, als der Sammeltrieb einsetzte.

Bastion (Quelle: Supgergiant Games)

Obwohl Bastion in Sachen Items, Waffen und dem Aufwerten der Hauptbasis (der Bastion) das Rad nicht neu erfindet, ist der Umgang mit den Gegenständen hervorragend gelöst. Es gibt eine gewisse Anzahl Waffen, die dauerhaft in unserem Waffenschrank hängen, und je nach Strategie für verschiedene Levels ausgewählt werden können. Auch die Upgrades können wir für unsere jeweiligen Bedürfnisse anpassen – und das wird auch schnell nötig, denn Bastion ist wider Erwarten kein Hack’n'Slay im klassischen Sinne, sondern erinnert stellenweise an SNES-Rollenspiele, in denen auch Geschick und Taktik eine Rolle spielen. Einige Herausforderungs-Levels, die wir erst mit einigen Anläufen oder besserer Ausrüstung bestehen, machen das auch nötig.

Die vielfältigen Upgrades sorgen in Kombination mit der freien Kombinierbarkeit für reichlich Langzeitmotivation: wir wollen nicht nur alle Upgrades und Items haben, sondern können und müssen diese auf immer wieder andere Weise kombinieren, um in den einzelnen “Levels” Erfolg zu haben. Das Gameplay beginnt nicht sofort, aber dafür nachhaltig zu fesseln. Und unter diesen Bedingungen kann auch die Atmosphäre ihre volle Wirkung entfalten.

Bastion ist ein schönes, liebevoll gemachtes Spiel. Es macht Laune, hält uns bei der Stange – und kostet gerade mal 14 Euro bei Steam. Mehr können wir von einem Spiel dieser Größenordnung nicht erwarten. Klare Kaufempfehlung von meiner Seite – und der Tipp, es mindestens eine Stunde zu spielen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann.


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